Malinois

Geschichte des Malinois


von Anne Weitz-Heeland, Vortrag zum Züchtertag LG BW 04.12.99


Entwicklung vom Hirten- zum Schäferhund


In vorbiblischer Zeit wurde oft ohne Hund gehütet. Mit Ausdehnung der Weidegebiete in weitläufige, unübersichtliche Gebirgsregionen wurde der Einfluss der Beutegreifer größer. Die Nutzung und Besiedlung des Hochgebirges war verbunden mit Haushunden als wachsame, verteidigungsbereite Herdenbeschützer. Später mussten diese Hunde nicht nur Beutegreifer, sondern auch menschliche Angreifer und Schafdiebe abwehren. 

Diese Hirtenhunde waren starke Kämpfer, oft geschützt durch dichtes Haar. Teilweise sollten kurz geschnittene Ohren und ein umgekehrt getragenes Stachelhalsband diese Hunde schützen. 

Genau so habe ich es noch dieses Jahrzehnt in den Hochebenen Anatoliens gesehen. 

Als Beispiel für diesen Hundetyp sei die Tibetdogge genannt. Diese Hunde, meist an der Leine geführt zum Schutz des herrschaftlichen Wildes lernten dann das Treiben der Tiere zur Wasserstelle und neue Weidegründe. Je häufiger ein Weidewechsel notwendig war, desto beweglicher und leichter musste der Hund sein. Oft waren sie von weißer Farbe, da sie so leichter von Raubwild zu unterscheiden waren. 

Die starke Bevölkerungszunahme im 18.Jahrhundert, bedingte eine Intensivierung des Ackerbaus. Zugleich kam es durch die Bauernbefreiung zu mehr Privateignern, und die Realteilung bedingte immer kleinere Felder.

Die zurückgedrängte Brache, der Verlust von Hutungen durch neue Acker- und Futterpflanzen führte dazu, dass die Schäfer die Hunde auf Feldwegen, und schmaler werdenden abgeernteten oder mit Schaffutter eingesäten Feldern hüteten. Für andere Tierarten setzte sich zu der Zeit ganz die Koppelhaltung durch. 

Die Zunahme der engen Haltung und der Verkehrswege zwang die Schäfer zur Selektion von wendigen und intelligenten Hütehunden. 

Auf den schmalen grasbewachsenen Feldwegen, an deren Rändern die Hauptfrucht wuchs, mussten die Schafherden in die Länge gezogen werden. Dies ging am besten, wenn der Schäfer an der Herdenspitze ging und an jeder Seite die Hütehunde schauten, dass die angebauten Hauptfrüchte ungeschoren blieben. Auch mussten die Hunde dafür sorgen, dass ohne Probleme in einen Weg eingebogen werden konnte und dass kein Schaf zurückblieb. 

Diese langgezogene Herde erfordert vom Hund Selbstständigkeit und gute Nerven, vor allem bei Fahrzeugverkehr. Unter diesem Einfluss der Haltungsumstände entwickelten sich in den verschiedenen Ländern Europas, in England früher als auf dem Kontinent, sehr ähnliche Hütehundtypen. 

Der BSH ist ein bodenständiger Schäferhundeschlag, der in 4 verschiedenen Varietäten vorkommt. Langhaarig sind der schwarze Groenendael und der rotbraune Tervueren, rauhaarig der Laeken und kurzhaarig der Malinois. 


Die Geschichte der Reinzucht des BSH Ende des letzten Jahrhunderts 


Die erste internationale Ausstellung in Belgien fand 1880 in Brüssel statt. Fast 1000 Hunde, vor allem Jagdhunde waren gemeldet. Auch 7 kontinentale Schäferhunde waren gemeldet: deutsche, französische, holländische und belgische, jedoch gab es für diese noch keine genaue Beschreibung (Standard). 

In der wöchentlichen Illustrierte mit dem Namen „Chasse et Pêche“( frz. für Jagd und Angeln), wurde 1889 festgestellt, dass die Engländer schon viel weiter sind, da sie schon einen Standard für den Collie und Bobtail hätten, während hier in Belgien viele Schäferhunde seien, aber sich bis jetzt hat noch kein Klub oder Kommission ihrer angenommen habe. 

Ende 1891 fanden sich engagierte Schäferhundliebhaber in Brüssel zusammen, die die physischen und moralischen Qualitäten des einheimischen Schäferhundes schätzen lernen wollten. 

In Folge dessen wurde 1891 der Club du Chien de Berger Belge (Klub für BSH) gegründet. Dieser Klub stellte sich unter die Schirmherrschaft von der Societé Saint Hubert, welche sich später der FCI anschloss und Chasse et peche war das wöchentliche Magazin.  

117 Hunde aus der Gegend rund um Brüssel und der Provinz Brabant kamen am 15.November 1891 in der Veterinärschule zu Cureghem-Brüssel zusammen. Dies war die eigentliche Geburtsstunde des belgischen Schäferhundes als eigene Hunderasse. M. Vanderrnickt , Hauptredakteur von „Chasse et peche“ und Zoodirektor von Gent und Düsseldorf schrieb folgendes: Es zeigte sich bei dieser Sichtung , dass verschiedene Typen von belgischen Schäferhunden existieren. Die durchschnittliche Höhe der Hunde beträgt 50-55 cm, einzelne Exemplare waren jedoch 62 cm groß. Die Farben und Haarqualitäten sind verschieden, gemeinsam sind ihnen hoch angesetzte dreieckige Stehohren, braune Augen, breite Stirn, feine Schnauze, gut entwickelte Backen und eine lange Rute. Die Rassenentstehung des BSH, ist wie bei den meisten anderen Rassen auch, eng mit dem Namen eines Mannes verbunden: Professor Adolphe Reul (1849-1907) Er absolvierte das Tiermedizinstudium mit Prädikatsexamen und war Autor mehrerer Hundebücher. Professor Reul orientierte sich bei der Einteilung des BSH an dem Collie, welcher damals in 3 Varietäten lang-, kurz-, und rauhaarig beschrieben wurde, genauso wurde es beim BSH gemacht. Er beschrieb die Rasse und arbeitete den Standard aus. Die Farben variierten: es gab schwarze, rotbraune, graue und gestromte Hunde. Interessanterweise waren in der belgischen Population keine weißen Hunde, im Gegensatz zu den Nachbarpopulationen (Beispiel: DSH – aus den weißen Exemplaren wurde der Amerikanisch-Kanadische Schäferhund gezüchtet). 

1898 versammelten sich die besten Exemplare der Rasse. 2 Familien überzeugten am meisten: die Familie „von Picard“, wunderschöne langhaarige schwarze Hunde im Besitz von Herrn Rose in Groenendael und die Familie „von Pouts“, rotgoldene rauhaarige Hunde im Besitz von Herrn Janssen zu Laeken. Bei den Kurzhaarigen waren Samlo und Mouche bemerkenswert. Nach diesem Treffen etablierte sich die Einteilung in 3 Varietäten. Es wurde angefangen, die Hunde im Zuchtbuch der Saint-Hubertus Gesellschaft einzutragen. Im gleichen Jahr wurden die schwarzen langhaarigen BSH als Groenendael bezeichnet. Kurzfristig kam sogar die Frage auf, die Kurzhaarigen zu verbieten, da es ihnen etwas an Stil fehlen würde. Jedoch verteidigte M. Reul diese Varietät als schöne Hunde und perfekte Ästheten mit aufgeweckter Intelligenz und einem bemerkenswerten Spürsinn. Während dieser ersten Jahre war M. Reul der einzige Richter für BSH. Herr Reul war ein eifriger Unterstützer der Inzucht. Er meinte: Inzucht mit gesunden und charakterlich gefestigten Verwandten gib